Mit dem Bulli um die Ostsee
von René Gwis
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Mit dem Bulli um die Ostsee

Die Aussicht auf die Ostsee in Lontoo, Finnland.

Von: René Gwis

Reisezeitraum: 18.07. bis 21.08.2019

 

Einmal mit Bulli und Hund um die Ostsee, das war der Plan für meinen fünfwöchigen Jahresurlaub im Sommer 2019.

Der Bulli: Bronko, ein luftgekühlter VW aus dem Jahre 1981

Der Hund: Fina, eine elfjährige Labradoodle-Dame.

Weiter wurde lange nicht geplant. Klar war nur, es sollte gegen den Uhrzeigersinn um die Ostsee gehen. Klar war auch, dass ich kein Russlandvisum beantragen wollte. St. Petersburg habe ich erst ein paar Monate zuvor besucht und Kaliningrad empfand ich für meine Tour nicht so spannend.

Am 18.07.2019 fiel der Startschuss. Über die Insel Usedom ging es nach Polen. Die ersten beiden Tage wollte ich Strecke machen. Ziemlich schnell stellte ich fest, dass Polen auch nur dort schön ist, wo die Polen selbst leben, nicht aber dort, wo sie Urlaub machen. Die Ferienorte an der polnischen Ostsee zwischen Swinemünde und Kolberg gleichen einem Rummel und bieten jemandem, der ein wenig Ruhe und Erholung sucht, die Hölle auf Erden.

Das erste Highlight auf der Tour sollte der Slowinzische Nationalpark sein. Dort wollten Fina und ich die bis zu 40 Meter hohen Wanderdünen bezwingen. Dieser Ort wird nicht umsonst die polnische Sahara genannt.

Für die Nacht haben wir uns dann einen großartigen Platz an den Felsklippen von Pierwoszyno gesucht. Zugegeben, die letzten beiden Kilometer zu unserem Schlafplatz waren etwas holprig und vielleicht sollte man nach tagelangem Regen den Weg nicht ohne Allrad in Angriff nehmen, aber die Aussicht ist es auf jeden Fall wert.

Am nächsten Morgen sollte es über Danzig nach Litauen gehen. Ich hatte keine Lust auf Stadt und hätte aus diesem Grund beinahe nicht in Danzig gehalten. Das wäre ein großer Fehler gewesen. Ich fuhr gegen 7 Uhr los und erreichte Danzig kurze Zeit später. „Der frühe Vogel...“ Es war, als würde diese Stadt nur für mich Zeit haben und sich von ihrer schönsten Seite zeigen. Ich konnte in aller Ruhe die Altstadt erforschen und habe für mich beschlossen, dass ich dieser Stadt in naher Zukunft noch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, so begeistert war ich von ihr.

Nun verabschiedete ich mich nicht nur von Danzig, ich sagte auch Polen auf Wiedersehen und fuhr nach Litauen. Litauen war für mich wie eine Zeitreise. Eine Zeitreise in meine Kindheit. Diese verbrachte ich in einem kleinen Dorf in der ehemaligen DDR. Als mir auf der Straße ein Belarus-Traktor entgegen kam musste ich daran denken, wie mein Großvater mir das Traktorfahren auf einem solchen Modell beigebracht hatte. Als ich auf dem Markt von Klaipėda Obst kaufte, sah ich mich, wie ich als kleiner Junge in unseren alten Obstbäumen im Garten sitze. Die Kirschen und Äpfel sahen aus wie früher und nicht wie das, was mir heute in den Supermärkten, kunstvoll angeleuchtet, präsentiert wird. Ich kaufte einen großen Beutel, voll mit Obst und Gemüse und war etwas verwundert, als man dafür 2,90 € von mir haben wollte.

Von Klaipėda ging es weiter die Küste entlang, Richtung Norden. Wir fuhren über die Grenze nach Lettland und machten einen kleinen Abstecher ins Landesinnere, nach Kuldīga. Ich hatte einiges über diese Stadt gelesen. Laut Marco Polo soll es sich um Lettlands schönste Kleinstadt handelt. Tatsächlich hat auch mich diese Stadt begeistert. Hier sieht es aus, als sei die Zeit einfach stehen geblieben. Die Holzbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind teilweise aufwändig restauriert, lassen einen in der Zeit zurückreisen.

Aber ich wollte wieder an das Wasser und somit steuerten wir Ventspils an. Hier traf ich eine folgenschwere Entscheidung. Ich habe mir den neu ausgebauten Parkplatz, direkt am Strand mit Blick auf den Hafen für die Nacht ausgesucht. Dies habe ich gegen 1 Uhr nachts schwer bereut. Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Stelle dich nie an Wochenenden auf einen Parkplatz in einer belebten Gegend. Es ist Sommer, die Menschen wollen feiern! Es war eine kurze Nacht.

Nach dieser ereignisreichen Nacht ging es an das Kap Kolka. Hier haben Fina und ich uns bei einem ordentlichen Strandspaziergang von der Nacht erholt, bevor wir Richtung Riga weiterfuhren. Es sollte das zweite Mal sein, dass ich Riga sehe. Bei meinem ersten Besuch der Stadt vor mehr als 10 Jahren war ich wirklich begeistert von ihrer Schönheit. Dabei spielte das Jugendstilviertel natürlich eine besondere Rolle. Wir fuhren auf einen der beiden City-Campingplätze. Der erste Campingplatz auf unserer Tour. Das hieß endlich mal wieder richtig heiß duschen und etwas Wäsche waschen. Fina und ich haben die Stadt vom Campingplatz aus zu Fuß erkundet, während wir Bronko auf dem sicheren Campingplatz zurückließen.

Bevor wir Riga verließen, hatte Fina noch einen Termin beim Tierarzt. Für die Einreise nach Finnland war noch eine Wurmkur nötig, die maximal 72 Stunden vor Einreise in Lettland verabreicht werden musste. Das gestaltete sich aber als äußerst einfach. Ein Tierarzt war schnell gefunden und die Kommunikation auf Englisch verlief reibungslos. 15 Minuten und 29,00 € später erfüllte Fina alle Voraussetzungen, um nach Finnland zu reisen.

Aber vorher sollte es noch nach Estland gehen. Wir fuhren in den Soomaa Nationalpark. An dieser Stelle muss man sagen, dass Estland über hervorragende Nationalparks verfügt und diese immer ein guter Anlaufpunkt sind, wenn man einen Übernachtungsplatz sucht. Oft gibt es dort Toiletten und Feuerstellen und nur selten ist das Übernachten im Camper verboten.

Vom Soomaa Nationalpark ging es dann ziemlich direkt nach Tallinn. Wir suchten uns einen Übernachtungsplatz in der Nähe des Fähranlegers und gingen in der Stadt auf Entdeckungstour. Diese Entdeckungstour sollte aber nicht lange andauern denn Tallinn war überschwemmt von Kreuzfahrttouristen. Man bekam keinen Fuß vor den anderen in der Stadt. Also zurück zum Bulli und darauf gewartet, dass die Kreuzfahrtschiffe wieder auslaufen. Ab 18 Uhr änderte sich das Bild der Stadt. Man bekam wieder Luft innerhalb der Stadtmauern. Jetzt endlich konnte man die Schönheit der Stadt entdecken.

Am nächsten Morgen ging es früh auf die Fähre. Keine drei Stunden dauerte die Überfahrt. In Helsinki angekommen, gab es nur ein Ziel: Raus aus der Stadt. Ich war vier Monate zuvor durch einen dummen Zufall in Helsinki gewesen und konnte die Stadt bei einer Stadtführung entdecken. Ich wollte wieder Natur und Meer sehen. So zog es mich in die Naturreservate südwestlich von Helsinki. Hier haben Fina und ich uns auf den großen, von der Sonne aufgewärmten Steinen am Strand von der Fährfahrt erholt, bevor wir den Sonnenuntergang auf einem großen Beobachtungsturm erlebten. Das war auch der Ort, an dem ich realisierte, dass Fina kein Jagdhund sein kann. Keine 15 Meter neben Fina entdeckte ich ein Reh. Fina registrierte dieses Reh einfach nicht und schaute nur gelangweilt in die Gegend. Erst nach Minuten hob sie plötzlich die Nase. Jetzt endlich schien sie etwas gewittert zu haben.

Ich habe viel über Finnland gelernt. Die größte Lektion dabei war, dass man in Finnland besser in der Natur bleibt und sich die Städte spart. Ich habe es in Turku versucht, in Pori, in Rauma… Ich konnte einfach keine Begeisterung für finnische Städte aufbringen. Dem Tipp eines Reiseführers folgend, ging es in ein Fischrestaurant nach Lontoo. Ja, es gab Fisch. Warum man für diesen Fisch extra auf die Insel sollte, erschloss sich mir nicht. Dafür hatte ich wieder einen großartigen Schlafplatz am Meer. Erste Reihe und freie Sicht auf das Wasser.

Aufgrund meiner Erfahrungen mit finnischen Städten hatte ich schon keine Erwartungen mehr an Oulu. Das war auch gut. Und so hangelten wir uns von Nationalpark zu Nationalpark, bis wir mit Tornio den höchsten Punkt der Ostsee erreicht haben. Aber ich wollte unbedingt den Polarkreis überqueren. Also fuhren wir die E8 in Richtung Norden, immer am Fluss Torne entlang, der gleichzeitig auch die Grenze zu Schweden bildet. Von der E8 aus hat man fast die ganze Zeit eine großartige Aussicht über den Torne nach Schweden.

In Juoksenki haben wir dann den Polarkreis überquert. Ich wollte auf keinen Fall die gleiche Strecke zurück. Also ging es weiter Richtung Norden, bis nach Pello. Erst hier kommt die nächste Möglichkeit, den Torne zu kreuzen. Auf der schwedischen Seite ging es den Torne wieder runter, bis wir in Juoksengi (jetzt mit g), wieder den Polarkreis überquerten. In Haparanda haben wir uns dann mal wieder einen Campingplatzt genommen. Wäsche waschen und heiß duschen. Denn während in Deutschland alle unter einer Hitzewelle gelitten haben, war uns selten so richtig warm in den letzten drei Tagen.

Haparanda ist besonders. Auch nicht besonders schön, aber besonders. Haparanda und Tornio wirken wie eine Stadt. Gäbe es keine Verkehrsschilder, die auf die schwedisch-finnische Grenze hinweisen, würde niemand eine Grenz erkennen. Dennoch haben beide Städte einige Grenzen zu überwinden. Eine kleine Brücke, über einen schmalen Seitenarm des Torne, verbindet beide Städte für Fußgänger. Die Brücke ist zur Hälfte blau-gelb und zur anderen Hälfte blau-weiß gestrichen. Wer über diese Brücke geht, der geht nicht nur von einer Stadt in die andere Stadt. Man überquert eine Landesgrenze, geht in eine andere Zeitzone, hört eine andere Sprache und wechselt die Währung. Das stellt beide Städte vor große Probleme und so wusste der Reiseführer zu berichten, dass der Bürgermeister von Haparanda bei der EU beantragt habe, in den Euro-Raum aufgenommen zu werden. Scheinbar war er mit seinem Anliegen bislang wenig erfolgreich.

Man konnte es drehen wie man wollte, ab jetzt waren wir auf dem Rückweg. Wir hatte unser Ziel erreicht: den nördlichsten Punkt der Ostsee. Was sich in Finnland bewährte, funktionierte auch in Schweden erstaunlich gut. Übernachten in Nationalparks. Oft sogar direkt am Meer. Und wenn es keine Möglichkeit gab, sich direkt an das Meer zu stellen, gab es doch immer einen Wanderweg dorthin. Diesen Wegen folgend, fand man nicht selten Schutzhütten, Feuerstellen und sogar Brennholz. So haben Fina und ich so manchen Abend bei Tee am Feuer gesessen und die Aussicht auf die Ostsee genossen.

Oft standen wir die ganze Nacht allein in der Natur. Zu Beginn der Reise habe ich die Plätze für die Nacht oft mit der App „park4night“ gesucht. Aber wie das mit Apps und Netzwerken so ist: Man ist nicht der einzige, der dort aktiv ist. Ganz oft versuchten viel zu große Wohnmobile auf viel zu kleine Plätze zu kommen. Darum bin ich bald wieder weg von der App. Bronko ist nicht viel länger und breiter als ein durchschnittliches Auto. Das sind schonmal gute Voraussetzungen, selbst Plätze zu suchen und erhöht die Chance auf einen ruhigen Abend in der Natur enorm.

Allerdings bleibt auch das nicht ohne gewisse Gefahren. Einen der schönsten Übernachtungsplätze hätte ich fast nicht wieder verlassen können, da Bronko eine Steigung rückwärts nicht erklimmen konnte. Wenden war nicht möglich. Und so hat es mich einige Versuche gekostet, bis wir uns mit ordentlich Schwung aus unserer Falle befreien konnten.

Wir erreichten dann ein Gebiet in Schweden, dass mir besonders in Erinnerung geblieben ist und dass ich unbedingt nochmal mit mehr Zeit, Kletterausrüstung und ohne Fina besuchen muss: Höga Kusten. Dieses Küstengebiet ist für mich der schönste Teil Schwedens. Ich wäre gerne den Skuleberget an einer der vier Klettersteiganlagen erklommen. Leider war Fina weder von der Idee, die ganze Zeit im Bulli zu warten, noch von der Idee, mich beim Klettern zu begleiten, begeistert. So fuhren wir viele der kleinen Fischerdörfer ab und genossen gemeinsam die grandiose Landschaft.

Irgendwann erreichten wir Stockholm. Mir war aber noch immer nicht nach Stadt und so haben wir uns hier auch nicht aufgehalten. Allerdings mussten wir nach Stockholm feststellen, dass es immer schwieriger wurde, einen Platz für die Nacht zu finden, an dem wir ungestört waren. Es gab einfach viel zu viele Camper und Wohnmobile unterhalb von Stockholm. Wer auf der Suche nach der Einsamkeit Schwedens unterwegs ist, muss entweder der Küste fernbleiben oder sich oberhalb von Stockholm aufhalten. Hier reifte aber auch die Erkenntnis, dass man nicht jeden Tag den besten Stellplatz der Reise finden kann.

Ich wusste nicht, ob ich wirklich nach Öland will. Aber ich wollte über die Brücke nach Öland fahren. Und da diese Brücke mautfrei ist, sind wir mit ordentlich Anlauf drüber und direkt wieder zurück. Die Aussicht von dieser Brücke rechtfertig den kleinen Umweg auf jeden Fall!

Unser letztes Ziel in Schweden war Malmö. Aber auf dem Weg dorthin wollte ich unbedingt nach Ystad. Nicht unbedingt wegen der Stadt. Nein, wegen des Kommissares Wallander. In meiner Fantasie haben wir ihn sogar getroffen, als wir durch die Stadt fuhren. Er ermittelte in seinem ersten Fall und konnte sich nicht damit abfinden, dass sein Nachbar sich selbst das Leben genommen haben soll. Danke Spotify ;-)

Über die Öresundbrücke ging es dann nach Dänemark. Ich bin diese Brücke vor einigen Jahren schon einmal gefahren. Damals von Dänemark nach Schweden. Jetzt musste ich feststellen, dass ich die Brücke damals nicht in ihrer ganzen Schönheit sehen konnte. Den unglaublichen Moment, wenn die Brücke im Wasser verschwindet, sieht man nur auf dem Weg von Schweden nach Dänemark.

Dänemark ist für mich der Ort, an dem sich Nordsee und Ostsee treffen. Skagerrak und Kattegat sind für mich nebensächlich. Zugegeben, ich wusste vor meiner Reise auch nicht viel damit anzufangen. Viel interessanter war es für mich, die Schweinswale zu beobachten, die abends an uns vorbeizogen. Etwas, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte.

Nun war es soweit, bei Flensburg erreichten wir Deutschland. Bevor es nach Hause geht, wollte ich aber unbedingt noch eine Nacht an der Ostsee verbringen. Ich wollte mich verabschieden. Mein Wunsch ist aber schnell der Gewissheit gewichen, dass es zwischen Flensburg und Kiel keinen Zentimeter Platz an der Ostsee gibt, an dem man unbehelligt frei stehen kann. Ich musste also wieder auf einen Campingplatz. Der dritte in den letzten fünf Wochen. Aber nach all der Freiheit konnte ich den Gedanken, die letzte Nacht auf der Parzelle eines Campingplatzes zu verbringen, kaum ertragen. Es gab keine Alternative. Wenn ich eine letzte Nacht an der Ostsee verbringen wollte, musste ich auf einen Campingplatz. Zu meinem Glück fand ich aber einen Campingplatz mit einer Zeltwiese, die ich mit Bronko befahren durfte. So hatten wir zumindest ein kleines Stück Freiheit und einen ungestörten Blick auf die Ostsee.

Diese Reise war eine der interessantesten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich habe viel erlebt und viel gelernt über mich, über Fina und über Bronko. Meine Tipps für eine Tour wie diese: Wenn Sie auf der Suche nach Freiheit und Natur sind, ist ein großes Wohnmobil nur hinderlich. Kleine Camper bringen einen fast überall hin. Wenn Sie Finnland und Nordschweden von ihrer schönsten und ursprünglichsten Seite erleben wollen, brauchen Sie ein Kanu. Dies kann man vor Ort leihen oder auf dem Dach des Campers transportieren. Nehmen Sie ein Zelt mit. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die Natur zu erwandern und an Feuerstellen und Schutzhütten zu zelten.

 

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René Gwis | gwis@hoehenflug.de | 0541 40677-21

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